Bericht: Juniwanderung 2026 – Rund um die Neunkircher Höhe

Angenehmes Wanderwetter und viele Sehenswürdigkeiten

Kerstin Dreier und Walter Knapp hatten zur Wanderung am 14. Juni eingeladen. Beide sind vor allem als Kletterer bekannt, bringen aber auch beim Wandern viel Erfahrung mit.

Am Wanderparkplatz „Freiheit“, bei Laudenau kamen 27 erwartungsvolle WanderInnen zusammen. Gleich nebenan liegt der alte Ortsteil „Freiheit“ von Laudenau, der bis 1806 gemarkungsfrei war. Bis zu diesem Jahr konnten von der Obrigkeit verfolgte Menschen an diesem Platz Asyl finden. Damals waren die Strafen drakonisch und der Pfad des politisch Erlaubten schmal.

Nach Begrüßung und Infos von Walter gings nun los, zum „Fallenden Bach“. Hier stürzt ein kleines Bächlein über einige schöne Felsblöcke. So entsteht ein feuchtkühles Mikroklima mit verschiedenen Moosarten.

Ganz in der Nähe liegt die ehemalige Burg Rodenstein. Sie wurde 1240 errichtet, liegt mitten im Wald und bietet schöne, beliebte Rastplätze. Jeder findet in der restaurierten Ruine etwas, woran er sich verweilen kann, und sei es in Gedanken. Jeder kennt die Erzählung vom verwunschenen Rodensteiner Ritter, der mit seinem Heer unter Getöse durch die Nacht reitet, wenn Krieg bevorsteht. In fast 30 Sagen kommt der Rodenstein vor, Werner Bergengruen machte aus ihnen Anfang des 20. Jahrhunderts das damals enorm erfolgreiche Werk „Das Buch Rodenstein“.

Der Weg zur Felsgruppe „Rimdidim“ windet sich zunächst recht schweißtreibend den Rodensteiner Burgwald hinauf, dann wird das Gelände deutlich flacher, bis beim Rimdidimder Hangwieder deutlich abfällt. Im Jahr 1898 soll hier ein Sturm alle Bäume weithin entwurzelt und damit „rimdidim“ – rumherum – eine wunderbare Aussicht freigegeben haben, glücklicherweise nur auf Zeit.

Die nächste Sehenswürdigkeit war nach kurzem Abstieg erreicht, nämlich der Gagernstein, ein gut hausgroßer Felsblock, der auch beklettert wird und außerdem die Widmung an Herrn von Gagern trägt, der vor 100 Jahren intensiv die Natur bedichtet hat. Hans gab hier einen kleinen Einblick in die regionale Geologie.  

Noch ein Stückchen den Berg hinab Richtung Hahlkopf liegt das ehemalige Naturfreundehaus Rimdidim, 1925 von den Naturfreunden Darmstadt gebaut und nach wechselvoller Geschichte seit 2001 Brandruine. Diese jüngste Veränderung machte das zerfallende Gebäude zum „Lost place“. Uns als AV Wandergruppe lagen andere Abenteuer am Herzen als dieses, zumal die Sehenswürdigkeiten noch lange nicht aufgebraucht waren.

Mit dem Wanderparkplatz „Gagernstein“ direkt beim Steinbach war der tiefstgelegene Punkt der heutigen Tour erreicht, bei gut 360 Höhenmetern. Die kleine Gemeinde Steinbach liegt nebenan, in Gegenrichtung das „Kleine Felsenmeer“. Die recht kleinen Blöcke bilden tatsächlich einen kleinen Blockstrom und man kann hier Appetit auf das „richtige“ Felsenmeer bekommen.

Einer der nächsten Berge ist der „Steinkopf“ mit dem „Zindenauer Schlösschen“ auf dem Gipfel. Dieses ist entgegen seines Namens eine natürliche Felsformation, sie erinnert an eine Burg oder auch an ein Schloss und steht seit fast 100 Jahren als geologisches flächenhaftes Naturdenkmal unter Schutz; außerdem ist sie als eine der wenigen Einheiten im Hessischen Odenwald im digitalen Felsinformationssystem des DAV verzeichnet. Wer nach Neunkirchen kommt, sollte sich den Besuch des „Schlösschens“ nicht entgehen lassen.

Ja, auch wir kamen nach Neunkirchen, aber mussten entlang der Steigung noch einige unserer Schweißtropfen verteilen. Neunkirchen wurde 1222 erstmals erwähnt und liegt 510 Meter hoch, es zählt 160 Einwohner. Uns kam der Platz an der Linde mit Brunnen und Bänken zum Rasten sehr gelegen, es wäre auch eine Einkehr in der Gaststätte direkt anbei möglich gewesen. Die Idylle wurde durch Herrn Ohly (in Gestalt eines Denkmals) komplett gemacht, einstmals Vorsitzender des Odenwaldklubs Darmstadt. Ein paar Schritte weiter, da war die Rast schon vorbei, passierten wir die ehemalige Wallfahrtskirche Cosmas und Damian, ihr Turm ist weithin zu sehen. Von wenig weiter bergauf konnten wir weit nach Norden schauen, auf die Hochhäuser von Frankfurt und den Taunus. Danach nahm uns der Alemannenweg auf mit Blicken ins Lautertal und die Pfalz.

Auf der Neunkircher Höhe, die mit ihren 605 Metern im Odenwald nur noch vom Katzenbuckel übertroffen wird, gab es dann die vorgezogene Abschlussrast. Die „höchste Wirtschaft des Odenwaldes“ besteht aktuell wegen Renovierung der Räumlichkeiten aus einem Imbisswagen, an dem es Würstchen, kalte Getränke, sowie Kaffee und Kuchen gab. Es blieben wahrscheinlich keine Wünsche offen, jedoch hat der Berichterstatter die versprochene Bratwurst nicht gerochen. Der Kaiserturm aus dem Jahr 1906 war geöffnet, für einen Euro waren 27,5 zusätzliche Meter und die schöne Aussicht zu genießen.

Mit einem Blick auf den Gedenkstein von Ludwig Seibert, der im Jahr 1889 das im Wesentlichen noch heute gültige System der Wanderwege eingeführt hat,

verabschiedeten wir uns von der Neunkircher Höhe.

Nun ging es unter lebhaften Gesprächen nur noch gemächlich bergab – „im Flow“, wenn man so sagen möchte – bis zur „Freiheit“.

Wir dankten Kerstin und Walter für diesen besonders schönen und lehrreichen Wandertag.

15 km, 500 hm

21.06.26 Hans Schlabing

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