Zwischen Winterhauch und Regentropfen

eine fröhliche Wanderung auf die Tromm mit Kulturgenuss

Monatswanderung der DAV-Wandergruppe am 22. Februar 2026

Wir Wanderer sind im Allgemeinen in Hinsicht auf Wettervorhersagen eher optimistisch und konnten das an diesem Sonntagmorgen recht gut brauchen, hingen doch die Wolken bis auf knapp 200 Meter herunter, dazu war die Weschnitz randvoll und lehmgelb.

So staunten alle, dass sich am Parkplatz „Im Kreuz“ bei Zotzenbach 35 wetterfeste Menschen trafen, um Elisabeth Schneider bei ihrer Wanderung auf die Tromm zu folgen.

Elisabeth erklärte uns, dass die Tromm kein einzelner Berggipfel ist, sondern ein markanter Bergrücken im Odenwald – also ein länglicher Höhenzug, der sich deutlich über die umliegenden Täler erhebt. Der Höhenzug ragt etwa 400 m über das Weschnitztal hinaus und erreicht an seinem höchsten Punkt 576,8 m. Der Rücken aus Granit verbreitert sich gelegentlich zu einem Plateau und ist mehrere Kilometer lang.

Nach der kurzen Einführung ging es stetig bergauf, und wir konnten mit den Wanderstöcken in den Wolken stochern, der Nordwestwind trieb die Schwaden und Schleier Richtung Tromm hoch, aber noch brauchte es die Regenschirme nicht.

Die erste Trinkpause wurde am Pavillon bei der „Sängerwarte“ und dem ehemaligen Steinbruch Borstein eingelegt. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa 1939 wurde hier der rötliche Trommgranit abgebaut, zuletzt für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.

Nach der Rast ging es nochmal eine halbe Stunde bergauf. Der Trommrücken wurde beim Odenwaldinstitut erreicht. Träger des Instituts ist die Karl- Kübel Stiftung, Zweck ist Erwachsenenbildung im weiteren Sinne.

Unser Ziel war aber gleich nebenan das „Hof-Theater-Tromm“, wo wir schon von Herrn Jürgen Flügge erwartet wurden. Er berichtete sehr unterhaltsam und freimütig aus seinem Leben, aus der Geschichte des Hofs und dem Werdegang seines Hoftheaters; eine Entwicklung, die noch immer anhält. Die Gebäude stammen ca. aus dem 18. bis 19. Jahrhundert und sind im Äußeren weitgehend unverändert, sie stehen unter Denkmalsschutz. Bereits die Eltern von Herrn Flügge kauften das Anwesen wohl in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Geboren 1944 in Darmstadt, studierte Jürgen Flügge in München Germanistik und Theater­wissenschaft, danach arbeitete er an vielen Theatern im deutschsprachigen Raum als Dramaturg, Regisseur, Intendant, Dozent und Autor, wenn es nicht noch mehr Tätigkeiten waren. Nach der zeitweilig sehr belastenden Generalintendanz in Braunschweig sollte der Hof auf der Tromm zunächst nichts mehr und nichts weniger als eine Zuflucht aus dem Gestern sein. Ein richtiger Theatermensch kann’s nun aber nicht lassen und nach unendlich viel handwerklicher Arbeit wurde 2001 das Theater gegründet. Wie es auf seiner Internetsete heißt, „arbeitet (es) sehr eng mit dem Verein „Trommer Sommer“ zusammen. Ab März bis Dezember öffnet das Theater immer am Wochenende seine Türen für Jung und Alt. Das Programm umfasst alle Sparten – vom Kabarett bis zum Kindertheater, von der Musik bis zum großen Schauspiel kann man im Hof-Theater-Tromm erleben, was man vielleicht „auf dem Land“ nicht vermutet.

Bei der lebendigen Führung lernten die DAV-Wanderer ein wahres Kulturinstitut kennen – mit Kinderbühne, Studiobühne auf der Tenne und Freilichtbühne im Hof, daneben kann auch noch die Wiese nebenan bespielt werden, im ehemaligen Kuhstall wird Kunst ausgestellt. Wärmstens empfohlen vom „Berichterstatter“: Das Abo des Newsletters über die Homepage!

Nach einem herzlichen Dank Elisabeths an Herrn Flügge verabschiedeten wir uns vom Hof-Theater und machten Mittagsrast in der traditionsreichen Gaststätte „Zum Schardhof“. Diese wurde in Dokumenten der Gemeinde Grasellenbach bereits im 18. Jahrhundert erwähnt.
Die junge Wirtin, die das Haus in siebter Generation führt, entzündete ein Kaminfeuer, und in der warmen, gemütlichen Runde ließen wir die Eindrücke aus dem Hof-Theater Revue passieren.

Mit dem Schritt ins Freie wurden die Regenschirme aufgespannt. Vor uns lag noch am Weg zum Trommturm an einer markanten Wegkreuzung das „Brandschneider Kreuz“.

Elisabeth erzählte uns eine Hexensage über einen wandernden Schneider, der im 16. Jahrhundert im Odenwald lebte. Wegen seiner ruppigen Art und seines hitzigen Temperaments trug er den Spitznamen „Brandschneider“. Er galt als besonders begabt in seinem Handwerk. Als er jedoch das Geheimnis seiner von Odenwälder Hexen verliehenen Begabung verriet, wurde er von ihnen in den Wald gelockt und bestraft.

Die Dorfbewohner errichteten an der Stelle ein Kreuz, um die Hexen zu besänftigen und den Ort zu bannen.

Weiter führten uns feste Wege etwas hangabwärts parallel zum Bergrücken, an dem „Trommer Felsenmeer“ vorbei bis zum Trommturm.

Die Tromm war schon seit dem 19. Jahrhundert bei Wanderern beliebt. Als Ziel diente seit 1890 der Aussichtsturm „Ireneturm“, der 1910 durch einen zweiten Turm ersetzt wurde. Wegen seines schlechten Zustands wurde er 2013 geschlossen und später abgebaut; der gemauerte Turmfuß blieb erhalten und dient heute als Technikstandort.

Der neue Trommturm, 33,6 Meter hoch und wegen seiner Neigung von 35,7 Grad scherzhaft „Schiefer Holger“ genannt, prägt seit seiner Errichtung das Landschafts­bild und gilt als modernes Wahrzeichen der Region.

Die meisten Wanderfreunde stiegen auf, oben war der Wind heftig, aber die Wolken hingen mittlerweile viel höher, man konnte mindestens bis nach Mannheim gucken und am Horizont zeigte sich ein Silberstreif über dem Pfälzer Wald – schön soll es oben gewesen sein.

So langsam wars Zeit für den Rückweg und nach einer knappen Stunde erreichten wir nach insgesamt 15 Kilometern und 450 Höhenmetern den Parkplatz „Im Kreuz“,

In der anbrechenden Dämmerung fiel daher der Dank an Elisabeth kurz, aber herzlich aus für diese mit viel Sorgfalt und Liebe vorbereitete Wanderung. Die „Sonne im Herzen“ hatten alle mitgebracht.

Hans Schlabing

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